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Möbelgigant Arzberger lebte in Herrsching

Herrsching – Er dürfte wohl einer der schillerndsten aber auch erfolgreichsten Figuren im Wirtschaftleben Herrschings gewesen sein: Günther Arzberger, Gründer des ersten und später auch des größten Möbelversandhauses Europas. Als er 1952 auf die Idee kam, Möbel auf den Kundengeschmack zugeschnitten und ohne Groß- und Zwischenhandel direkt ins Haus zu liefern, war Arzberger 23 Jahre alt und lebte in Nordrhein-Westfalen. „Im Anfang steht die Idee, nicht das Kapital“, lautete seine Devise. Schon 1956 verlegte er die Hauptverwaltung seines Unternehmens nach Lochschwab. „Ich machte den ersten Urlaub meines Lebens. Ziellos fuhr ich kreuz und quer durch Bayern. Als ich durch Herrsching kam, stutzte ich. Hier könnte es mir gefallen, dachte ich mir“, begründete Arzberger seinen Umzug an den Ammersee. 1960 baute er den Flachbau im Gewerbegebiet, sechs Jahre später folgte ein vierstöckiges Bürohaus. Die Arzberger KG mit 200 Mitarbeitern in der Zentrale in Herrsching und 1800 Mitarbeiter in ganz Deutschland, wurde zum größten Steuerzahler im Landkreis.
Bestellt wurde über Katalog, der 50000 Kombinationsmöglichkeiten bot. „Wir hatten unser erstes Schlafzimmer bei Arzberger bestellt. Revolutionär war, dass es keine so genannten Nachtkästchen gab, sondern dass die Doppelbetten zwischen einem Schranküberbau postiert wurden“, erinnert sich ein Ehepaar aus Herrsching. Neu war auch, dass die Möbel je nach Wunsch in grün, rot oder andersfarbig erhältlich waren. Der Verkauf lief über geschulte Arzberger-Berater, die im dunkelblauen Blazer mit Zollstock und Katalog unterm Arm Hausbesuche machten. „Wenn ein Verkäufer einem Kunden in gehobener Position Möbel im Wert von 4000 Mark verkaufen will“, belehrte Arzberger sein Team, „dann muss er selbst eine Persönlichkeit sein“.
So bunt seine Möbel, so bunt liebte er es auch privat. Berühmt berüchtigt waren seine Feste in der Villa Lochschwab, direkt am Ammerseeufer. Fünf bis sechs Mal, genau weiß man es nicht, trat Günther Arzberger vor den Traualtar. Zudem liebte er es, mit seinem Mercedes 600 ziellos durch die Straßen zu kurven oder im eigenen Flugzeug Reisen zu unternehmen.
Großzügig zeigte sich Arzberger gegenüber seiner Gemeinde. „Er hat gesponsert und geholfen, wo es nur ging“, erinnert sich Franz Czasny vom gleichnamigen Autohaus. Unter anderem trug Arzberger maßgeblich zur Finanzierung des neuen Kindergartens bei. Die Zukunft sah der Jungmillionär an seinem 40. Geburtstag durchaus rosig: „Wenn man als Unternehmer vierzig ist, dann fängt die Karriere eigentlich erst an.“ Doch Arzberger hatte die Rechnung ohne die übergeordnete Instanz gemacht. Der Unternehmer bekam Leukämie und starb 1977 im Alter von nur 47 Jahren. „Drei Tage vorher war er noch bei mir und verabschiedete sich in den Urlaub nach Florida“, sagt Czasny. Heute erinnert in Herrsching lediglich noch die Arzberger Straße an Möbelhausgiganten. Uli Singer