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Peu a peu still gelegt...

Oberpfaffenhofen (5. März 2005) – Im Trauerspiel um den Abgesang auf den einstigen Flugzeughersteller Dornier wurde das letzte Kapital eingeläutet. Jetzt meldete auch AvCraft für die 328er Jet-Produktion Insolvenz an. Wie berichtet, hatte Geschäftsführer Wolfgang Walter noch vor zwei Wochen über einen positiven Geschäftsverlauf berichtet. 345 Mitarbeiter bangen nun um ihren Arbeitsplatz. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Martin Prager bestellt. Er versucht, einen Investor zu finden.
Böse Zungen behaupten inzwischen, der Untergang des einstigen Traditionsunternehmens sei von langer Hand vorbereitet. Schon damals, anno 1986, sei beschlossen worden, Dornier platt zu machen. Was mitunter Martine Dornier-Tiefenthaler, die Sprecherin der Dornier-Erbengemeinschaft, durch geschickte Vertragsverhandlungen ausgelöst habe. Vertragspartner war seinerzeit Daimler-Chef Jürgen Schrempp. Er soll, nachdem ihm der Pferdefuß in den Verträgen bewusst geworden war, lauthals vor Zeugen verkündet haben, gegen den Clan vorzugehen und „die Martine kalt zu machen“ (Quelle: „Die Zeit“/1996). Auch Gotthard Gröll, Dornier-Rentner aus Berg und Ersteigerer einer leeren 728er-Flugzeugzelle, erinnert sich an entsprechende Aussagen.
Anlass für den über Jahre anhaltenden Unmut gegenüber der Dornier-Familie: Beim Verkauf der Mehrheit von Dornier-Anteilen an Daimler-Benz soll die Familienanwältin 1986 knallhart durchgegriffen und die Daimler-Manager an die Wand gespielt haben. Für 440 Millionen Mark erkaufte sich die Weltfirma Daimler-Benz zwar den Löwenanteil am Flugzeughersteller. Als „peinliches Kapitel“ jedoch in die Firmengeschichte ist gleichzeitig eingegangen, dass Dornier-Tiefenthaler durch geschickte Verhandlungen den Familiengesellschaftern ein großzügiges Vetorecht verschafft hatte. Mit diesem konnte die Erbengemeinschaft fortan alle wichtigen Entscheidungen von Daimler-Benz blockieren. Die Fachpresse lobte das „brillante Stück Juristenarbeit“.
Vom Dornier-Konzern ist nichts mehr übrig geblieben: Die Dornier Medizintechnik wurde 1995 nach Singapur verkauft, die Dornier Luftfahrt an den Texaner Carl Albert wurde verschenkt. Ganz im Gegenteil. Dafür, dass Fairchild 1996 das Unternehmen übernahm und für drei Jahre eine Arbeitsplatzgarantie zusicherte, hat Daimler-Benz den Amerikanern noch 300 Millionen Mark Startkapital hinterher geworfen. Geschäftsführer beim Pleite gegangen Flugzeughersteller Fairchild-Dornier war übrigens Dasa-Mann Thomas Brandt. Er fungierte nach der Insolvenz von Fairchild-Dornier als Berater sowohl bei D’Long, die das 728er Jet-Programm übernommen hatten, als auch bei AvCraft. Jürgen Schrempp aber könnte sich jetzt eigentlich rühmen, tabula rasa gemacht zu haben. Polly Polster